Guide 03 / Kartenprüfung · 7 Minuten Lesezeit · Vorgaben geprüft am 31. August 2026

Kurz gesagt: Beim Vorgraden prüfst du eine Karte in fester Reihenfolge: Gesamteindruck vorne und hinten, Zentrierung, alle vier Ecken, alle vier Kanten, dann Vorder- und Rückseite unter wanderndem Licht. Notiere, was du tatsächlich siehst, mit Position, und sieh das Ergebnis als Vorauswahl, nicht als Notenprognose.

Vorgraden (Pre-Grading) ist eine strukturierte Prüfung, bevor du entscheidest, ob du für professionelles Grading bezahlst. Es ist kein inoffizielles Zertifikat und kein verlässlicher Weg, eine bestimmte Note vorherzusagen. Eine wiederholbare Routine ist mehr wert als eine besonders selbstsichere Prognose.

Richte dir einen einfachen Prüfplatz ein

Nutze einen sauberen, freien Tisch, weg von Getränken, Essen und direkter Sonne. Leg eine saubere, glatte Unterlage hin, die nicht krümelt und an der keine Kante hängen bleibt. Halte frische Sleeves und passende Holder griffbereit, bevor du eine Karte aus dem Schutz nimmst.

Nutze für den ersten Blick breites, gleichmäßiges Licht und für Reflexionen eine bewegliche Lampe. Eine leichte Lupe hilft bei einer konkreten Auffälligkeit, aber starte mit der ganzen Karte. Starke Vergrößerung macht es schwer einzuschätzen, wie relevant ein winziges Detail bei normalem Hinsehen ist.

Eine Handykamera ist gut für die Dokumentation, ersetzt aber nicht das Licht, das über die echte Oberfläche wandert. Nachschärfen, Spiegelungen, Kompression und Perspektive können täuschen.

Halte deine Hände sauber und trocken. Fass die Karte sanft an den Kanten an und stütze sie, ohne sie zu biegen. Leitfäden zur Papierpflege betonen vorsichtigen Umgang, eine saubere Umgebung und gute Unterstützung; Handschuhe aus Social-Media-Videos sind keine allgemeine Grading-Vorgabe.

Erst die Karte bestimmen, dann den Zustand

Notiere Set, Nummer, Sprache und Variante. Kläre, ob das Design symmetrisch gedacht ist und ob das Finish glatt, Foil, strukturiert oder anders ungewöhnlich ist.

Ein gewolltes Designelement ist kein Schaden. Umgekehrt ist etwas, das vielleicht bei der Herstellung passiert ist, nicht automatisch entschuldigt. Bewerte deine Beobachtung vorsichtig und lass das Grading-Unternehmen seine Standards anwenden.

Bei ungewöhnlichen Formaten, älteren Karten oder Zweifeln an der Echtheit prüfst du zuerst die Zulassung. Keine zerstörenden Echtheitstests, kein Kratzen an der Kante und keine Flüssigkeit, um die Farbe zu testen.

Prüfe jedes Mal in derselben Reihenfolge

Eine praktische Abfolge: Gesamtansicht vorne, Gesamtansicht hinten, Zentrierung, vier Ecken, vier Kanten, Oberfläche vorne, Oberfläche hinten, Notiz. Prüf immer auch die Rückseite, selbst wenn die Vorderseite die Hauptattraktion ist.

Arbeite mit einer Karte nach der anderen. Ist die Prüfung fertig, kommt die Karte zurück in ihren Schutz, bevor du die nächste öffnest. Das reduziert unnötiges Anfassen und verhindert Verwechslungen.

So prüfst du die Zentrierung einer Karte

Frag dich zuerst, ob das Design ausgewogen wirkt. Hat die Karte einen passenden Druckrahmen, vergleiche linken und rechten Rand auf gleicher Höhe, dann oberen und unteren Rand an gleicher Stelle. Wiederhole das auf der Rückseite.

Einfache Berechnung für gegenüberliegende Ränder: Anteil links = linker Rand ÷ (linker Rand + rechter Rand) × 100. Misst der linke Rand 3,0 mm und der rechte 2,5 mm, ergibt das etwa 54,5/45,5. Das beschreibt diese Messung, nicht die Note der Karte.

Die Kamera sollte gerade über der Karte sein, denn eine schiefe Perspektive lässt eine gut zentrierte Karte verschoben wirken. Zieh kein Lineal über die Oberfläche und drücke kein Messwerkzeug gegen die Kante. Messen am sauber ausgerichteten Foto ist schonender, solange du seine Grenzen kennst.

Der aktuelle PSA-Standard für eine Gem Mint 10 beschreibt etwa 55/45 oder besser auf der Vorderseite und 75/25 auf der Rückseite. Diese Toleranz ist nur ein Teil der Bewertung, kein Anspruch auf eine 10. Übernimm keine alten Internet-Grenzwerte oder Regeln eines anderen Unternehmens.

Bei randlosen oder asymmetrischen Designs erfindest du keine Messlinie, nur weil ein Zentrierungs-Rechner eine braucht. Notiere stattdessen die Unsicherheit.

Jede Ecke von beiden Seiten prüfen

Geh im Uhrzeigersinn vor und prüfe jede Ecke einzeln. Achte auf Abrundungen, Knicke, Ablösungen, freiliegenden Kartenkern und Stellen, die das Licht anders reflektieren. Nutze flaches Licht, wenn eine Ecke hochstehend oder gestaucht wirkt.

Unterscheide Karte und Sleeve. Eine trübe Stelle oder eine kleine Falte im Kunststoff kann wie ein Schaden darunter aussehen. Wenn du genauer hinsehen musst, nimm die Karte einmal vorsichtig heraus, statt sie immer wieder rein- und rauszuschieben. Kneif keine Ecke zusammen, um zu testen, ob sie geknickt ist.

Eine gute Notiz nennt die Position: „Rückseite, Ecke oben rechts: kleiner weißer Punkt bei breitem Licht sichtbar.“ Das hilft später mehr als „Ecken sehen okay aus“.

Jede Kante auf ganzer Länge verfolgen

Prüfe obere, rechte, untere und linke Kante auf der Vorderseite, dann auf der Rückseite. Achte auf kleine Absplitterungen, weiße Stellen (Whitening), raue Bereiche, Ablösungen und Unebenheiten.

Wirkt eine Kante ungewöhnlich, erklär sie nicht sofort für getrimmt oder echt. Dokumentiere die Auffälligkeit und hol dir eine fachkundige Einschätzung. Reib nie an einer Kante, färbe keinen weißen Punkt nach und drücke nichts flach. Damit veränderst du genau das Objekt, das bewertet werden soll, und riskierst eine Einstufung als verändert.

Oberfläche prüfen: Licht bewegen, nicht nur die Karte

Starte mit einem breiten Blick und führe dann eine Lampe so, dass eine Reflexion über die Vorderseite wandert. Wiederhole das horizontal, vertikal und auf der Rückseite. Achte auf Kratzer, Abrieb, Dellen, Knicke, Rückstände, Druckstellen und Unterbrechungen im Finish. Bei Foil- oder Strukturkarten prüfst du die spiegelnden Bereiche aus mehreren Winkeln.

Biege die Karte nicht, um einen möglichen Knick sichtbar zu machen. Eine veränderte Reflexion lässt sich über Licht und Blickwinkel prüfen. Eine winzige Delle ist schwer zu fotografieren; notiere, wo sie ist und bei welchem Winkel sie sichtbar wird.

Beobachtung und Erklärung trennen

Was du notieren kannstWas du nicht annehmen solltest
Eine feine Linie läuft bei schrägem Licht über das FoilJede Drucklinie wird von jedem Grader ignoriert
Eine kleine weiße Stelle an der hinteren KanteEin Fabrikfehler kann die Note nicht beeinflussen
Die Karte liegt leicht gewölbtFlachpressen ist sicher oder erlaubt
Eine Ecke sieht anders aus als die anderenDu kennst den genauen Notenabzug
Bei deiner Prüfung fällt kein Mangel aufEine Top-Note ist garantiert

Erfinde keine Pauschalregel wie „ein weißer Punkt heißt 9“. Größe, Art und Sichtbarkeit einer Auffälligkeit zählen, und die finale Entscheidung trifft das Grading-Unternehmen.

Erstelle eine Entscheidungsnotiz, kein Fake-Zertifikat

Notiere für jede Karte Identität, Datum, Fotos von Vorder- und Rückseite, Auffälligkeiten, offene Fragen und deinen Plan: einsenden, weiter prüfen oder raw behalten.

Bewahre deine Notizen auch nach dem Ergebnis auf. Der Vergleich mit den Noten und eventuellen Grader Notes zeigt dir, wo deine Prüfung Informationen übersehen hat.

Checkliste vor dem Grading

CheckWas du bestätigst
IdentitätSet, Nummer, Sprache, Finish und Variante sind notiert.
ZulassungDer Grader nimmt genau diese Kategorie, dieses Format und diese Sprache an.
ArbeitsplatzArbeitsfläche und Schutz sind sauber, Hände sauber und trocken.
Vorder- und RückseiteBeide Seiten sind fotografiert und geprüft.
ZentrierungDie Ausrichtung ist geprüft, ohne eine Messung als Notengarantie zu sehen.
EckenJede Ecke ist von beiden Seiten geprüft.
KantenDer ganze Rand ist geprüft, Auffälligkeiten sind mit Position notiert.
OberflächeBeide Seiten sind unter mehr als einem Lichtwinkel geprüft.
UnsicherheitMögliche Schäden, Besonderheiten oder Echtheitszweifel sind notiert, nicht weggeredet.
Keine BehandlungKein Reiben, keine Chemie, kein Nachfärben, Trimmen oder Pressen geplant.
ZielDer Grund fürs Grading ist klar: Sammlung, Echtheit, Präsentation oder Verkauf.
KostenAlle Grading-Kosten und ein realistisches schlechteres Ergebnis sind eingerechnet.
EntscheidungEinsenden / prüfen / raw behalten ist mit kurzer Begründung notiert.
SchutzDie Karte ist ohne Gewalt zurück in passendem Schutz.

Häufige Fragen

Kann ich eine Karte im Sleeve vorgraden?

Einen ersten Check kannst du durch einen sauberen Sleeve machen, aber Spiegelungen, Kratzer im Sleeve und Staub können die Karte verdecken. Entscheide, ob sich zusätzliches Anfassen lohnt, und vermeide ständiges Herausnehmen.

Sollte ich eine App zur Notenprognose nutzen?

Eine App kann bei einzelnen Aufgaben helfen, etwa Bilder organisieren oder Randverhältnisse schätzen. Behandle ihr Ergebnis als Werkzeug, nicht als Entscheidung eines Graders. Dellen, Kanten oder Echtheitsfragen erkennt sie aus Fotos oft nicht.

Was, wenn die Karte für mich perfekt aussieht?

Notiere, dass dir unter deinen Bedingungen nichts aufgefallen ist, und plane trotzdem Unsicherheit ein. Deine Bedingungen und Erfahrung sind nicht dieselben wie bei einem professionellen Service.

Zum Schluss: Karte schützen

Lass geprüfte Karten nicht offen liegen, während du überlegst. Steck jede in passenden Schutz, zum Beispiel einen sauberen Base Card Sleeve, halte die Reihenfolge ein und mach mit unserem Vorbereitungs-Guide weiter. Eine sorgfältige Prüfung endet ohne neuen Schaden.

Weitere Guides

Quellen und aktuelle Vorgaben

Vorgaben geprüft am 31. August 2026. Es gelten immer die aktuellen offiziellen Vorgaben für deinen Service und Versandweg. Quellen: Library of Congress - Care, Handling and Storage of Works on Paper; PSA - Grading Standards; CGC Cards - Grading Scale.

Grade Saver Pro ist die Grading-Submarke von Saver Pro. Dieser Beitrag ist ein Ratgeber, kein Grading-Service und kein Versprechen eines Ergebnisses. Eine Empfehlung oder Partnerschaft mit Grading-Unternehmen besteht nicht.